Interview mit dem Stencil Artist TONA

Der Street Art Künstler TONA reist durch die Welt und hält Begegnungen und Eindrücke seiner Reisen in detaillierten Stencil Kunstwerken fest. Im Interview erzählt der Hamburger Künstler, woher die Inspiration für seine Kunst stammt, was die Arbeit im öffentlichen Raum so spannend macht und warum die Emotionen von Kindern für seine Werke eine ganz besondere Bedeutung haben.

Großformatiges Wandbild von TONA bei der Entstehung in Nishimuraya, Japan

Urbanshit Gallery: Du reist viel in der Welt herum und hinterlässt überall deine Spuren. Wie kann man sich deine Arbeitsweise vorstellen, wenn du in einem fremden Land unterwegs bist. Hast du immer alles dabei, um sofort ein Werk zu hinterlassen?

TONA: Ja, ich liebe es zu reisen und bin viel unterwegs gewesen in den letzten Jahren. Meine Arbeitsweise ist sehr davon abhängig ob ich selbständig auf der Straße arbeite, oder auf Festivals, in „Artists in Residency“ oder Projektreisen.

Wenn ich in einem Land ankomme, habe ich immer eine Mappe mit aktuellen Schablonen dabei. Auch habe ich Materialien dabei, um Reparaturen durchzuführen oder neue Schablonen zu schneiden. In den meisten Ländern muss ich erstmal herausfinden, wo ich gute Sprühdosen bekomme und muss diese meistens zusätzlich mit meiner Mappe mitschleppen. 

Für das Malen der Schablonen auf der Straße laufe ich sehr viel herum und checke Spots. In manchen Ländern kann ich direkt meine Dosen und die Mappe mitnehmen und sofort malen; in anderen ist es ratsam sich erstmal einen Überblick zu verschaffen.

Was macht einen perfekten Ort für deine Werke aus? Was muss der Spot für Kriterien erfüllen und wie wichtig ist das Zusammenspiel von Umgebung und Motiv?

Ich liebe die Straßen und Leerstände, und ich versuche für meine Arbeiten einen möglichst glatten Untergrund zu finden. Speziell alte Stahltüren und Betonflächen mit Textur sind interessant. Ich fühle mich besonders von Verfall, Materialbeschaffenheit und Farbgebung angezogen. Das Zusammenspiel von Umgebung und Motiv ist extrem wichtig, da die Motive möglichst realistisch wirken sollen.

„Ich portraitiere Kinder, weil sie echte Emotionen zeigen und keine „Maske“ tragen wie alle anderen im alltäglichen Leben.“

Foto – Fertiges Wandbild von TONA in Nishimuraya, Japan


Welches sind deine wichtigsten Inspirationsquellen für deine Kunst?

Ich reise viel und treffe auf viele Menschen und Kulturen – grundsätzlich kann alles dabei um mich herum inspirierend auf mich wirken.

Kinder sind wiederkehrende Motive in deinen Arbeiten. Warum gerade Kinder?

Ich portraitiere Kinder, weil sie echte Emotionen zeigen und keine „Maske“ tragen wie alle anderen im alltäglichen Leben. Die meisten dieser Kinder, die ich male, habe ich auf der Straße getroffen, als ich dort gemalt habe. Sie verbringen viel Zeit auf der Straße und sind dadurch immer die Ersten vor Ort. Häufig sind sie sehr neugierig und interessiert an allem, was mit Sprühfarbe zu tun hat. Es geht bei meinen Arbeiten um diese echten Emotionen, die man einfach nicht in Worte fassen kann und die ich immer und immer wieder in Farbe festzuhalten versuche.

Für deine Schablonen machst Du selber Fotos als Vorlage. Sicherlich hast du Unmengen an Fotos während all deiner Reisen gemacht. Wie entscheidest Du, dass ein bestimmtes Fotos zur neuen Schablone wird?

Beim Sichten der Fotos ist es für mich eine rein emotionale Entscheidung. Manchmal dauert es nicht lange bis sich daraus ein Motiv entwickelt aber es kann auch passieren, dass es Jahre braucht bis ich mich für ein bestimmtes Motiv entscheide. 

Als Schablonenkünstler mag ich Leinwände einfach nicht. 

Kunstwerk – TONA „Downrock“ Stencil auf altem Wasserschild


Wenn Du nicht auf der Straße arbeitest, bevorzugst du gern alte Metall- oder Straßenschilder als Hintergrund für deine Werke. Was macht für dich den Reiz dieser Materialien aus?

Als Schablonenkünstler mag ich Leinwände einfach nicht. Wie auch auf der Straße fühle ich mich besonders von Verfall, rostigem Stahl und anderer interessanter Patina angezogen. Ich sammle auf meinen Reisen alten Schrott und mag es, dass dieser mal einen anderen Zweck hatte und ein Stück Geschichte in sich trägt.

Gibt es etwas, das du durch deine Kunst in den Menschen bewegen willst? Was soll deine Kunst bei Betrachtern auslösen?

Als Künstler befinde mich auf der Suche nach einer Form von non-verbaler Kommunikation. Es ist schwierig das in genaue Worte zu fassen, da die Motive mit mir emotional auf unterschiedlichen Ebenen kommunizieren. Diese Emotionalität der Bilder sucht nach einem achtsamen und langsamen Kontakt zum Betrachter*in. 

Eine letzte Frage: Was trägst du immer mit dir?

Sticker und Rakel.

Vielen Dank für das Interview.

Kunstwerke von TONA

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