Interview mit Flying Förtress

Der Künstler FLYING FÖRTRESS zählt zu den Graffiti-Pionieren und ist der Erfinder der legendären Teddy Trooper. Der in München geborene Wahlhamburger hatte bereits Ende der 80er seine ersten Berührungen mit Graffiti und prägt seitdem weltweit das Stadtbild mit seinen bunten, vielfältigen Teddysoldaten. Zum Release des neuen limitierten Siebdrucks „Troopical Thunder“ haben wir FLYING FÖRTRESS getroffen und mit ihm über seine Graffiti-Anfänge, seinen Werdegang und die Troops gesprochen.


Urbanshit Gallery: Du hast 1989 mit Graffiti angefangen und blickst somit auf eine 30jährige Graffiti-Karriere zurück. Wie hat sich deine Kunst über die Jahre entwickelt und verändert? 

Flying Förtress: Der größte „merkliche Sprung“ war sicherlich die Entscheidung, vom „klassischen Buchstaben-Graffiti“ zu einem „figürlichen Icon“ zu finden. Aus der Suche ist letztendlich mein „Teddy Trooper“ entstanden, der mein visueller Alias wurde und der mich seit 2001 begleitet. Seit dem hat sich die Figur auch stetig gewandelt und geändert, angepasst an meine künstlerische und handwerklichen Entwicklung. Der Teddy Trooper ist seit dem die große Konstante. Meine Arbeit ist aber weitgefächert und immer wieder abwechselnd auf unterschiedliche Medien und Schwerpunkte fokussiert.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben und was macht ihn so einzigartig?

Ich sehe mich in erster Linie als Illustrator, weil die figürlichen Elemente meine visuelle Sprache bestimmen. Damit kann ich recht allgemein verständlich kommunizieren. Das bringt schon etliche Vorteile. Darin lag ja auch der Grundgedanke, meine Kommunikation im öffentlichen Raum durch meine Graffiti-/Streetart-Kunst, direkter und entschlüsselt zu gestalten. Abgesehen von meinem Icon und der illustrativ-figürlichen Bildsprache, glaube ich, macht am meisten mein darin/damit verbundener Humor meine Arbeit mit am Stärksten aus.

Du hast dich für einige Zeit vom Graffiti entfernt und als Grafikdesigner gearbeitet. Wie kam es dazu?

Im Grunde musste ich mich von alten festgefahrenen Pfaden wegbewegen. Mein(!) Graffiti-Universum war zu dem Zeitpunkt um circa 1995 etwas festgefahren und in alle bekannten Ecken ausgetreten. Im Graphic-Design Studium hatte ich die Möglichkeit und Freiheit, nochmal die Dinge aus anderer Perspektive und Motivation anzugehen. Es hat einfach meinen Horizont erweitert, wo ich doch zuvor dachte, ich wäre da schon angekommen gewesen. Mit der neuen „Knowledge“ habe ich dann nach ein paar Jahren meine Graffiti-Geschichte wieder aufgenommen und weiter erzählt.

Letztendlich hat es dich aber wieder zurück zu den deinen künstlerischen Wurzeln gezogen? Gab es Schlüsselmomente? Was hat dir gefehlt?

Ich hatte dann nach dem Studium das Gefühl, dass zu dem Zeitpunkt auch ganz viele andere Graffiti-Künstler anfingen, über den Rand zu schauen und sich auf die Suche nach Neuem zu begeben. Das hat mich dann zusätzlich motiviert, wieder anzufangen, im öffentlichen Raum zu agieren. Ich hatte ja mit der Arbeit als Auftrags-Illustrator erfolgreich begonnen, letztendlich habe ich mich aber davon entfernt, weil die freie Arbeit dann doch weitaus spannender und zufrieden stellender war.

Die Teddy Trooper sind dein Markenzeichen. Erzähl uns, wann und wie die Idee zu den Teddysoldaten entstanden ist und warum sie für dich und deine Kunst so perfekt funktionieren? 

Wie schon erwähnt, wollte ich statt einem „codierten“ Graffiti-Tag bestehend aus optisch stark verschlüsselten Buchstaben („Geheimsprache“…) ein semantisch eindeutigeres Signet, Zeichen bzw. Figur entwickeln, die mein „Platzhalter“ im öffentlichen Raum sein sollte. Der „ich bin/war hier“-Gedanke des Graffitis sollte beibehalten werden, nur die Zuordnung einfacher sein für alle Beobachter. Es gibt im Grunde seit meinen ersten Tagen einen roten Faden durch meine Graffiti-Geschichte, in dem der Bär bzw. Teddy-Bär seit den ersten Bildern an den Brückenpfeilern der S-Bahn-Linie und der S-Bahn Wagons auftaucht. Die Idee, daraus dann den „Soldaten“ zu machen kam zwar wie so vieles eher zufällig, aber die Qualität der Möglichkeiten, die einzelnen Teddy Trooper zu meiner großen „(Besatzer-)Armee im öffentlichen Raum“ auszubauen, hab ich dann schnell erkannt und mir dann als Masterplan auferlegt.

Du bist seit eh und je äußerst aktiv und hast auf Grund deiner langen Karriere, schon viel kreiert. Woher holst Du deine Ideen? Was inspiriert dich zu deiner Arbeit? Hast du Vorbilder oder stetige Inspirationsquellen?

Ich höre immer wieder, die Leute würden vermuten, hinter „Flying Förtress“ würde tatsächlich sowas wie eine ganze „Armee an Aktivisten“ stehen… ja, ich bin immer noch ein Getriebener und bin ununterbrochen am Ergießen von Ergüssen. Gefühlt schaff‘ ich davon nicht mal ein Viertel, wirklich auch umzusetzen. Das ist sicher die treibende Kraft. Als Inspiration zieh ich sicherlich genauso wie andere von den „täglichen Impressionen“. Ein Dozent meinte mal, „man geht durch den Tag mit einem Einkaufswagen, in den man die Zutaten aus dem Supermarkt des Lebens packt. Was man zuhause dann aus den Zutaten kocht, ist dann wohl „sein eigenes Süppchen (Kunst).“ Fand ich immer ein schön einfaches Bild zu dem Gedanken.

Kommen wir zu Deinem neuen Projekt, dem limitierten Siebdruck „Troopical Thunder“. Wie kam es zu der Idee des Motives?

Die ersten Arbeiten mit dem Thema/Claim „Troopical Thunder“ entstanden Anfang des Jahres, als ich wortwörtlich auf meiner (vorerst) letzten nicen Reise vor dem Lockdown (Covid Pandemie) zu meiner Ausstellung auf Französisch La Reunion Island (bei Madagaskar) war. Zusammen mit dem local hero JACE habe ich eine große Anzahl meiner Teddy Troops „unter Palmen“ auf der Insel gesprüht. Das Wortspiel/Idee sollte schon vor Ort die Umstände meiner Reise in meiner künstlerischen Arbeit festhalten.

Kannst Du uns etwas über den Entstehungsprozess des Motives erzählen? Wie sieht die Umsetzung aus, nachdem die Idee im Kopf entstanden ist?

Ich kam mit einem Buch voll von Skizzen nach Hause zurück. Vom Palmen-Paradies direkt in den heimischen Lockdown. Temperatur-Schock. Nach einer kurzen Verwirrung und Orientierungslosigkeit habe ich die „ganze viele“ Zeit dann aber genutzt, um die vielen Ideen zu konkretisieren und umzusetzen. Als wir dann mit der schon länger angedachten Zusammenarbeit mit der Urbanshit Gallery loslegen wollten, war das „Troopical Thunder“ Motiv meine erste Wahl, da es die erst kürzliche Reise und Stimmung noch frisch in sich trägt und auch meinen Trooper als starkes Kern-Visual mitbringt. Ein bisschen der klassische „Sure Shot“ und etwas von meiner „Travel Memories“ Serie – in der ich schon immer meine Reise-Eindrücke verarbeitet habe – in einem Motiv.

Der Druck ist in der Hamburger Siebdruckerei BÄNG entstanden, eine kleine Druckwerkstatt in einem Hinterhof, die seit 30 Jahren auf Siebdruck spezialisiert sind. Was ist das besondere an der Technik des Siebdruckens?

Mit der Siebdruckerei BÄNG habe ich die letzten Jahre fast alle meine Siebdrucke produziert. Siebdruck ist für mich immer noch das schönste Ergebnis der Druck-Reproduktion. Wenn es das Motiv zulässt, gibt es keine Alternative. Es ist echtes Handwerk und muss gekonnt sein. Aber das Schöne ist, das der Siebdruck dann doch von den kleinen Fehlern lebt, die kleinen Ungenauigkeiten, die jedes Blatt zu einem kleinen Original machen… Wobei wir schon echt richtig tight gedruckt haben (haha).

Bei anderen Druckverfahren schickt man die fertige Datei an den Drucker und wartet auf das Ergebnis. Beim Siebdruck gibt es viele Schritte bis zum fertigen Druck. Bist Du beim Drucken jedesmal mit dabei?

Ich bin bei BÄNG eigentlich immer vor Ort, wenn dort meine Drucke entstehen. Helfe dann da auch den ganzen Tag mit, wenn gedruckt wird. Bin Hand Nummer 3 und 4. wenn die Papierbögen zwischen dem Drucktisch und Trockenhorde/-fächer hin- und herfliegen. Zum Anmischen und Bestimmen der finalen Druckfarben ist es eh notwendig, direkt vor Ort zu sein. Wenn nach einem ganzen Arbeitstag dann die letzte Druckfarbe durchgerakelt ist und das Motiv sich final „aus dem Ei pellt“ und man das Ergebnis in der Hand hält, ist das schon berauschend. Das kann aber natürlich auch vom Einatmen der ganzen Lösungsmittel über Stunden hinweg kommen….

Und eine letzte Frage zum Schluß: Gibt es etwas Besonderes, das du gern mit deiner Kunst erreichen willst?

Kunst kommt von Kennen. Wenn man mich kennt, bin ich schon froh 😉
Der letzte Satz sollte immer der stärkste und smarteste sein… ich bin jetzt aber aus der Puste…
Bleibt’s g’sund!

Vielen Dank für das Interview!


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